Frau hält einen Finger mit der Aufschrift shhh vor die Lippen

Schmerzlexikon

Sprach­probleme

Sprechstörungen, Kiefer und Zunge: was die Aussprache formt

Sprachprobleme, fachlich meist Sprechstörungen, sind Störungen der Aussprache: Laute werden undeutlich, verwaschen oder falsch gebildet, etwa beim Lispeln. Weil Kiefer, Zunge und Lippen die Laute gemeinsam formen, können Sprechstörungen auch mit dem Kiefer zusammenhängen, zum Beispiel bei einer Bissfehlstellung. Untersuchung und Behandlung übernehmen Logopäd:innen, oft nach ärztlicher Zuweisung.

Was beim Sprechen passiert

Für ein „t“ tippt die Zungenspitze hinter die oberen Schneidezähne, für ein „s“ bildet sie dort eine schmale Rinne, für ein „k“ hebt sich der hintere Zungenrücken. Der Unterkiefer gibt dafür den Abstand vor, und die Lippen formen „p“, „b“, „m“ und „o“. Tausende Male am Tag führen Kiefer, Zunge und Lippen diese feinen Bewegungen aus.

Sprech­störungen und Kiefer

  • Bissfehlstellungen: Passen Ober- und Unterkiefer nicht zueinander, etwa bei einem offenen Biss, Überbiss oder Unterbiss, kann das die Aussprache beeinflussen. Ein Beispiel ist Lispeln bei offenem Biss.
  • Kieferbeschwerden: Schmerzen oder eine eingeschränkte Mundöffnung, etwa bei einer CMD, können das Sprechen anstrengend machen.
  • Nach einer Kieferoperation: Wenn sich der Biss verändert hat, kann es nötig sein, das Sprechen neu einzuüben (→ Kiefer nach der OP).

Zunge beim Sprechen: Myofunktion und Aussprache

Myofunktion meint das Zusammenspiel der Muskeln von Zunge, Lippen, Wangen und Kiefer beim Ruhen, Schlucken und Sprechen. Liegt die Zunge in Ruhe dauerhaft vorne unten im Mund, drückt sie beim Schlucken gegen die Zähne oder schließen die Lippen nicht locker, zeigt sich das oft auch beim Sprechen. In der myofunktionellen Therapie, meist logopädisch, werden diese Muster geübt.

Ein verkürztes Zungenbändchen (Ankyloglossie) kann die Beweglichkeit der Zunge einschränken. Ob es die Aussprache verschlechtert, ist aber umstritten: Eine Übersichtsarbeit fand keinen klaren Zusammenhang zwischen kurzem Zungenbändchen und Sprechstörungen (Wang et al., 2022).

Sprach­probleme: typische Symptome

  • Undeutliche, verwaschene Aussprache
  • Lispeln, Auslassen oder Vertauschen von Lauten
  • Anstrengung beim Sprechen, schnelle Ermüdung von Zunge und Lippen
  • Spannung im Kiefer, in der Zunge oder im Hals beim Sprechen
  • Sprechangst oder Sprechhemmung
  • Begleitend Mundatmung oder Schluckbeschwerden (→ Schluckbeschwerden)

Ursachen von Sprech­störungen

  • Zungenfehlhaltung oder eingeschränkte Zungenbeweglichkeit: Liegt die Zunge dauerhaft zu tief oder zu weit vorne, kann sie beim Sprechen nicht genau an Gaumen, Zähnen und Lippen arbeiten.
  • Kieferfehlstellung: Passen Ober- und Unterkiefer nicht zueinander, kann das die Lautbildung beeinflussen.
  • Lippen-, Wangen- und Zungenmuskulatur: Sind diese Muskeln schwach oder ungünstig koordiniert, wird die Lautbildung ungenau.
  • Verkürztes Zungen- oder Lippenbändchen: Es kann die Beweglichkeit einschränken; das beurteilen Logopädie und Arztpraxis.
  • Neurologische Ursachen: Schlaganfall, Parkinson oder Multiple Sklerose können die Ansteuerung der Sprechmuskulatur beeinträchtigen. Hier stehen die ärztliche und logopädische Behandlung im Vordergrund.
  • Stress: Unter Stress spannen manche Menschen unbewusst Lippen, Zunge und Kiefer an. Ein trockener Mund erschwert das Sprechen zusätzlich.

Wie werden Sprech­störungen behandelt?

  • Logopädie: untersucht Aussprache, Zunge und Schluckmuster und übt die Lautbildung. Bei Kindern meist nach Zuweisung durch die Kinderarztpraxis.
  • Kieferorthopädie und Zahnmedizin: wenn eine Bissfehlstellung oder ein kurzes Zungenbändchen beteiligt ist.
  • Neurologie: bei plötzlich oder zunehmend verwaschener Sprache.
  • Physiotherapie: wenn Kiefer, Kaumuskeln oder Nacken verspannt sind und das Sprechen mühsam machen.

Übungen aus der CRANii App zum Thema Sprach­probleme

Lautbildung und Sprechablauf werden in der Logopädie geübt; die CRANii Videos ersetzen das nicht. Sie zeigen Übungen für Zunge, Lippen und Mund. Ob sie zu deinem Übungsplan passen, sagt dir deine Logopädin oder dein Logopäde. Wird die Sprache neu oder zunehmend undeutlich, lass das zuerst ärztlich abklären.

Die Videos gibt es in der CRANii App.

Was du im Alltag für eine deutliche Aussprache tun kannst

  • Langsam sprechen: und Pausen einlegen. Wer hetzt, verschluckt leichter Laute.
  • Gehör prüfen: Bei Kindern das Gehör testen lassen, wenn die Aussprache auffällt.
  • Kiefer locker: Vor einer Präsentation kurz gähnen und die Zähne auseinanderlassen.

Wann eine verwaschene Sprache ein Notfall ist

Wird die Sprache plötzlich verwaschen, vor allem mit Lähmungen oder einem hängenden Mundwinkel, kann das ein Schlaganfall sein. Wähle sofort den Notruf 144.

Außerdem:

  • Wird das Sprechen über Wochen zunehmend undeutlicher oder kommen Schluckprobleme dazu, lass das neurologisch abklären.
  • Ist dein Kind deutlich schwerer zu verstehen als Gleichaltrige, sprich mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt über eine logopädische Abklärung.
  • Fallen eine Kieferfehlstellung oder ein kurzes Zungenbändchen auf, ist eine zahnärztliche oder kieferorthopädische Untersuchung sinnvoll.

Häufige Fragen zu Sprach­problemen

Kann der Kiefer die Aussprache beeinflussen?

Ja. Kiefer, Zunge und Lippen bilden die Laute gemeinsam, und eine Bissfehlstellung kann die Aussprache beeinflussen. Ein Beispiel ist Lispeln bei offenem Biss.

Quellen

  1. Enderby P (2013): Disorders of communication: dysarthria. Handb Clin Neurol. PMID 23312647. PubMed

  2. Wang J et al. (2022): The effect of ankyloglossia and tongue-tie division on speech articulation: A systematic review. Int J Paediatr Dent. PMID 33964037. PubMed