
Offener Biss
Ein offener Biss ist eine Zahn- und Kieferfehlstellung, bei der sich die Zähne von Ober- und Unterkiefer beim Zubeißen nicht vollständig berühren. Meist betrifft das die Frontzähne (frontal oder anterior offener Biss), seltener die Seitenzähne (seitlich oder posterior offener Biss). Oft hängt er mit der Zunge zusammen: Sie drückt beim Schlucken oder in Ruhe zwischen die Zähne. Die Stellung korrigiert die Kieferorthopädie, an Zunge und Lippen wird logopädisch oder mit myofunktionellen Übungen gearbeitet.
Mehr zu verwandten Fehlstellungen findest du unter Bissfehlstellung und Kreuzbiss.
Was bei einem offenen Biss passiert
Deine Zunge ist ein starker Muskel. In Ruhe liegt sie normalerweise mit der Spitze knapp hinter den oberen Schneidezähnen am Gaumen.
Bei Mundatmung liegen Unterkiefer und Zunge tiefer. In einer Übersichtsarbeit hatten Kinder, die durch den Mund atmen, häufiger einen nach hinten unten gedrehten Unterkiefer und eine steilere Kauebene als Kinder mit Nasenatmung (Zhao et al., 2021).
Offener Biss: Woran du ihn erkennst
- Sichtbare Lücke zwischen oberen und unteren Frontzähnen beim Zusammenbeißen
- Abbeißen fällt schwer, etwa bei einem Apfel, einer Nudel oder einem Sandwich
- Lispeln oder Zungenstoß beim Sprechen (→ Sprachprobleme)
- Die Zunge ist beim Schlucken zwischen den Zähnen sichtbar
- Häufige Mundatmung und trockene Schleimhäute (→ Schnupfen)
- Bei manchen Betroffenen Verspannungen im Kiefer oder Beschwerden im Kiefergelenk (→ CMD)
Wie ein offener Biss entsteht
- Schnuller und Daumen: Daumenlutschen, langer Schnullergebrauch oder Zungenpressen können die Entwicklung von Zähnen und Kiefer beeinflussen.
- Zunge und Schluckmuster: Drückt die Zunge beim Schlucken oder in Ruhe zwischen die Zähne oder liegt sie in Ruhe vorne unten im Mund statt am Gaumen, erschwert das den Bissschluss. Fachleute sprechen von einem infantilen Schluckmuster oder Zungenstoß.
- Mundatmung: Wer dauerhaft durch den Mund atmet, hält Zunge und Unterkiefer in einer tieferen Position.
- Veranlagung und Kieferwachstum: Familiäre Veranlagung und das Wachstum der Kieferknochen spielen vor allem bei skelettal bedingten offenen Bissen eine Rolle.
Meist wirken mehrere dieser Faktoren zusammen (Rijpstra et al., 2016).
Wie wird ein offener Biss behandelt?
- Kieferorthopädie: stellt die Diagnose und korrigiert die Zahnstellung mit Zahnspange, bei Erwachsenen mit skelettalem offenem Biss manchmal zusammen mit einer Kieferoperation.
- Logopädie und myofunktionelle Therapie: üben Zungenruhelage, Schluckmuster und Lippenschluss. In einer Pilotstudie an Kindern mit offenem Biss und Zungenfehlfunktion veränderte eine solche Therapie die Zungenkraft und die Lage der Zunge in Ruhe und beim Schlucken (Van Dyck et al., 2016).
- HNO: klärt, warum ein Kind durch den Mund atmet, etwa wegen vergrößerter Polypen oder einer dauerhaft verstopften Nase.
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Ob sie zu deiner Behandlung passen, klärst du mit Kieferorthopädie oder Logopädie; bei Kindern zeigt die Logopädie, welche Übungen in welchem Alter passen.
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Was du im Alltag bei offenem Biss tun kannst
- Ruheposition üben: Zungenspitze bewusst an den Gaumen, knapp hinter die oberen Schneidezähne, Lippen locker zu.
- Durch die Nase atmen: Ist die Nase dauerhaft verstopft, lass das ärztlich ansehen.
- Schnuller und Daumen: Bei Kindern früh abgewöhnen und bei Bedarf logopädische Begleitung suchen.
- Beim Trinken: Für Kinder einen offenen Becher statt Trinkflasche mit Saugaufsatz verwenden.
Wann du einen offenen Biss ansehen lassen solltest
Lass einen offenen Biss untersuchen, wenn
- die Frontzähne beim Zubeißen sichtbar nicht aufeinandertreffen,
- dein Kind über das Kindergartenalter hinaus am Daumen lutscht oder die Zunge beim Sprechen zwischen die Zähne schiebt,
- sich dein Biss im Erwachsenenalter verändert, etwa nach einem Unfall oder ohne erkennbaren Grund,
- Kauen, Abbeißen oder Sprechen deutlich erschwert sind,
- Schmerzen im Kiefergelenk, eine eingeschränkte Mundöffnung oder ein hängenbleibender Kiefer auftreten.
Bei Kindern ist eine frühe kieferorthopädische Kontrolle sinnvoll, weil das Kieferwachstum noch beeinflusst werden kann.
Häufige Fragen zum offenen Biss
Kann sich ein offener Biss von selbst schließen?
Bei kleinen Kindern kann sich ein offener Biss zurückbilden, wenn Gewohnheiten wie Daumenlutschen früh aufgegeben werden. Ob das zu erwarten ist, beurteilt deine Zahnärztin oder dein Kieferorthopäde.
Wozu dienen logopädische Übungen beim offenen Biss?
Die Zahn- und Kieferstellung wird kieferorthopädisch korrigiert. Logopädische Übungen für Zunge und Lippen werden begleitend eingesetzt, wenn die Zunge beim Schlucken oder in Ruhe zwischen die Zähne drückt.
Gibt es Übungen bei offenem Biss für Erwachsene?
Ja. Übungen für Zungenruhelage, Schluckmuster und Lippenschluss werden auch bei Erwachsenen eingesetzt, meist begleitend zur Zahnspange.
Quellen
Rijpstra C et al. (2016): Etiology of anterior open bite: a review. J Orofac Orthop. PMID 27098640. PubMed
Van Dyck C et al. (2016): The effect of orofacial myofunctional treatment in children with anterior open bite and tongue dysfunction: a pilot study. Eur J Orthod. PMID 26136435. PubMed
Zhao Z et al. (2021): Effects of mouth breathing on facial skeletal development in children: a systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health. PMID 33691678.