
CMD (craniomandibuläre Dysfunktion)
CMD steht für craniomandibuläre Dysfunktion, eine Funktionsstörung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Typisch sind Kieferschmerzen, Knacken im Kiefergelenk und ein Mund, der sich schwer öffnen lässt. Eine einzelne Ursache lässt sich oft nicht benennen. Diskutiert werden unter anderem Zähnepressen und Zähneknirschen, Stress und die Haltung.
Was bei einer CMD im Kiefer passiert
Dein Kiefer arbeitet jeden Tag tausende Male: beim Sprechen, Kauen, Schlucken und Gähnen. Dafür arbeiten zwei Kiefergelenke, kräftige Kaumuskeln wie Masseter und Temporalis, die Zunge und die Muskulatur von Hals und Nacken zusammen.
CMD ist ein Sammelbegriff. Fachleute sprechen international von Temporomandibular Disorders (TMD) und meinen damit eine Gruppe unterschiedlicher Beschwerden: Schmerzen in den Kaumuskeln, Schmerzen im Kiefergelenk und Veränderungen im Gelenk selbst, etwa eine verschobene Knorpelscheibe (Schiffman et al., 2014). Oft ist nicht eindeutig, wodurch eine CMD entsteht (NIDCR). Eine CMD ist deshalb kein reines Zahnproblem und auch nicht einfach eine Verspannung.
CMD-Symptome: Woran du eine CMD erkennst
- Schmerzen oder Druck im Kiefergelenk, direkt vor dem Ohr
- Knacken oder Reiben beim Öffnen und Schließen des Mundes (→ Kieferknacken)
- Der Mund geht schwer oder nicht ganz auf, etwa beim Gähnen oder Abbeißen (→ Kieferklemme)
- Müde, harte Kaumuskeln am Morgen
- Spannung an Schläfen, Wangen oder hinter den Augen
- Kopfschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen (→ Kopfschmerzen, Zervikalsyndrom)
- Zahnschmerzen, ohne dass am Zahn etwas zu finden ist (→ Zahnschmerzen)
Oft sind es mehrere dieser Zeichen zugleich.
CMD-Ursachen
Meist kommen mehrere Einflüsse zusammen. Welche bei dir eine Rolle spielen, zeigt die Untersuchung.
- Zähnepressen und Zähneknirschen (Bruxismus): Unbewusster Druck auf die Zähne, nachts oder tagsüber, belastet Kaumuskeln und Kiefergelenke. Bruxismus gilt als ein Risikofaktor für CMD. Mehr unter Bruxismus.
- Stress und Anspannung: Psychische Belastung wird als wichtiger Einfluss beschrieben (Li & Leung, 2021).
- Biss (Okklusion): Ein Biss, der nicht gleichmäßig schließt, wird als möglicher Einfluss diskutiert; wie groß seine Rolle ist, ist fachlich umstritten (→ Bissfehlstellung).
- Nach Eingriffen: Neue Füllungen, Zahnersatz, eine Zahnspange oder eine Kieferoperation verändern den Biss. Muskeln und Gelenke müssen sich erst darauf einstellen (→ Kiefer nach der OP).
Wie wird CMD behandelt?
- Zahnärztin oder Zahnarzt: stellt die Diagnose mit einer Funktionsuntersuchung und versorgt bei Bedarf mit einer Aufbissschiene.
- Physiotherapie: behandelt Kaumuskeln und Nacken, mobilisiert das Kiefergelenk und leitet Übungen an.
- Logopädie: kümmert sich um Zungenlage und Schluckmuster.
- Bei starkem Stress: Entspannungsverfahren oder psychologische Begleitung.
Eine Übersichtsarbeit fand, dass Physiotherapie mit Übungen und manueller Therapie bei CMD Schmerzen verringern und die Mundöffnung verbessern kann; die Aussagekraft der Studien war allerdings gering (Armijo-Olivo et al., 2016). Die Arbeit hat keine CRANii Videos untersucht. Aufklärung und Übungen für zu Hause sind häufig Teil der Behandlung.
Übungen aus der CRANii App zum Thema CMD
Welche Übungen bei einer CMD sinnvoll sind, hängt von deinen Beschwerden und vom Befund ab. Die folgenden Videos aus der CRANii App zeigen Bewegungs-, Kräftigungs- und Entspannungsübungen für Kiefer, Gesicht und Nacken. Neue, starke oder anhaltende Kieferschmerzen lässt du zuerst abklären. Bist du schon in Behandlung, stimm mit deiner Praxis ab, welche Videos dazu passen.
Intraorale Kiefermobilisation
Basic Exercise, 2 Minuten. Sanfte Bewegungen und Massage von innen im Mundbereich.
Head Push Back
Basic Exercise, 2 Minuten. Kräftigungsübung für die Nackenmuskulatur, bei der der Kopf gegen einen Widerstand drückt.
O - A Pushings
Basic Exercise, 1 Minute. Kraftübung für die Muskulatur von Wange, Mund und Kiefer.
Alle Videos findest du in der CRANii App, eine Übersicht in CRANii Kiefertraining.
Was du im Alltag bei CMD tun kannst
- Ruheposition merken: Die Lippen sind locker geschlossen, die Zähne berühren sich nicht, die Zunge liegt entspannt am Gaumen. Prüf das mehrmals am Tag, zum Beispiel jedes Mal, wenn du aufs Handy schaust.
- Pressen bemerken: Manche pressen beim Konzentrieren, beim Autofahren oder beim Sport, ohne es zu merken. Ein Punkt am Bildschirmrand kann dich daran erinnern, locker zu lassen.
- Bildschirmpausen: Steh jede Stunde kurz auf, bewege den Nacken und schau in die Ferne.
- Weich essen in schlechten Phasen: Wenn der Kiefer schmerzt, gönn ihm ein paar Tage Pause von Kaugummi, harten Brotkrusten und großen Bissen.
Wann CMD-Beschwerden abgeklärt werden sollten
Lass dich zahnärztlich oder ärztlich untersuchen, wenn
- du den Mund plötzlich nicht mehr richtig öffnen oder schließen kannst (bleibt er offen stehen, ist das ein Notfall, → Kiefersperre),
- sich dein Biss nach einer Füllung, neuem Zahnersatz, einer Zahnspange oder einer Operation anhaltend verändert anfühlt,
- Kiefer oder Gesicht geschwollen sind oder du Fieber hast,
- die Beschwerden nach einem Unfall, Sturz oder Schlag aufs Kinn begonnen haben,
- Taubheitsgefühle oder Lähmungen im Gesicht auftreten oder du plötzlich schlechter hörst (bei plötzlichen Lähmungen sofort Notruf 144, bei plötzlichem Hörverlust noch am selben Tag in die HNO),
- Schmerzen länger als einige Wochen anhalten oder stärker werden.
Treten Kieferschmerzen plötzlich zusammen mit Druck in der Brust, Atemnot oder Schmerzen im linken Arm auf, wähle sofort den Notruf 144. Auch ein Herzinfarkt kann sich so zeigen. CRANii ersetzt keine Diagnose oder Therapie.
Häufige Fragen zu CMD
Was ist der Unterschied zwischen CMD und Bruxismus?
Bruxismus heißt Zähneknirschen oder Zähnepressen. CMD ist eine Funktionsstörung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Nicht jede Person, die knirscht, hat eine CMD; Bruxismus gilt aber als ein Risikofaktor dafür.
Hilft eine Aufbissschiene bei CMD?
Die Aufbissschiene ist bei CMD eine der häufigsten zahnärztlichen Maßnahmen. Sie schützt die Zähne vor Knirschen und Pressen in der Nacht. Schiene und angeleitete Übungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Welche Übungen ergänzend sinnvoll sind, hängt von Befund und Behandlungsplan ab; das klärst du mit deiner Zahnarztpraxis und deiner Physiotherapie.
Kann ich CMD selbst testen?
Ein paar Hinweise kannst du selbst prüfen. Knackt dein Kiefer beim Öffnen? Weicht der Unterkiefer dabei zur Seite aus? Passen drei Finger übereinander zwischen deine Schneidezähne? Ist der Kaumuskel an der Wange druckempfindlich? Eine Diagnose ersetzt das nicht. Die stellt die Zahnärztin oder der Zahnarzt mit einer Funktionsuntersuchung.
Ist Kieferknacken immer ein Zeichen für CMD?
Nein. Ein Knacken ohne Schmerzen und ohne Einschränkung ist häufig und braucht meist keine Behandlung (NIDCR). Abklären lassen solltest du es, wenn Schmerzen oder Blockaden dazukommen.
Quellen
Schiffman E et al. (2014): Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD) for Clinical and Research Applications. J Oral Facial Pain Headache. PubMed
Li DTS & Leung YY (2021): Temporomandibular Disorders: Current Concepts and Controversies in Diagnosis and Management. Diagnostics. PubMed
Armijo-Olivo S et al. (2016): Effectiveness of Manual Therapy and Therapeutic Exercise for Temporomandibular Disorders: Systematic Review and Meta-Analysis. Phys Ther. PMID 26294683.
National Institute of Dental and Craniofacial Research (NIDCR): TMD (Temporomandibular Disorders). https://www.nidcr.nih.gov/health-info/tmd